Entgeltfortzahlung nach Eigenkündigung: LAG Baden‑Württemberg verneint Anspruch bei „passgenauer“ Krankschreibung bis zum Kündigungsende und unzureichendem Vortrag zur Erkrankung
30 März 26
Landesarbeitsgericht Baden-Württemberg (7. Kammer) , Urteil vom 28.11.2025, Aktenzeichen 7 Sa 33/25 Leitsätze: Der Beweiswert von Arbeitsunfähigkeitsbescheinigungen, die nach Ausspruch einer Kündigung des Arbeitnehmers ausgestellt worden sind, kann erschüttert sein, wenn der Arbeitnehmer nach Ausspruch der Kündigung erkrankt und nach....
Unwirksamkeit, aber keine Nichtigkeit einer Betriebsratswahl bei Fehlern der Wahlvorstandsbestellung und Verstößen gegen wesentliche Wahlvorschriften
23 März 26
Schlagwörter: Betriebsratswahl, Gemeinschaftsbetrieb, Nichtigkeit, Rücktrittsbeschluss, Unwirksamkeit, Wahlanfechtung, Wahlvorstand
Landesarbeitsgericht Hessen (16. Kammer) , Urteil vom 24.11.2025, Aktenzeichen 16 TaBV 27/25 Leitsätze: Fehler bei der Bestellung des Wahlvorstands führen nur dann zur Nichtigkeit der Betriebsratswahl, wenn gegen allgemeine Grundsätze jeder ordnungsgemäßen Errichtung in so hohem Maße verstoßen wurde, dass....
Anforderungen an die Einladung und Durchführung einer Betriebsversammlung zur Wahl des Wahlvorstands und gerichtliche Bestellung nach erfolgloser Wahlversammlung
23 März 26
Schlagwörter: Anforderungen an die Einladung zur Betriebsversammlung, ausländische Arbeitnehmer, Bestellung des Wahlvorstands durch das Arbeitsgericht, betriebsratsloser Betrieb, Betriebsratswahl, Betriebsversammlung, deutsche Sprache, Einladung zur Betriebsversammlung zum Zwecke der Wahl des Wahlvorstands, gerichtliche Bestellung des Wahlvorstands, Wahlvorstand, zeitliche Lage der Wahlversammlung
Bundesarbeitsgericht (7. Senat), Beschluss vom 24.09.2025, Aktenzeichen 7 ABR 24/24 Leitsätze: 1.Die Betriebsversammlung zur Wahl eines Wahlvorstands kann prinzipiell nicht in Teilversammlungen iSv. 42 Abs. 1 Satz 3 BetrVG durchgeführt werden. In Schichtbetrieben, nach deren Eigenart es unmöglich ist, dass alle Arbeitnehmer an der Versammlung teilnehmen,....
Zweifel an Krankschreibung nach Eigenkündigung: LAG verweigert Entgeltfortzahlung bei zeitlichem Zusammenfall von Kündigung und Arbeitsunfähigkeit
16 März 26
Schlagwörter: Ärztliche Sorgfaltspflichten und § 4 Abs. 5 AU-Richtlinie (persönliche Untersuchung, Aufhebungsvertrag zum früheren Beendigungszeitpunkt, Beweisfälligkeit des Arbeitnehmers bei erschütterter AU, Darlegungs- und Beweislast des Arbeitnehmers bei Krankheit, Entgeltfortzahlung im Krankheitsfall (§ 3 Abs. 1 EFZG), Erschütterung des Beweiswerts der Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung, Folgebescheinigung), lückenlose Krankschreibung bis zum Ende des Arbeitsverhältnisses, Unterschrift von Folgebescheinigungen „auf Zuruf“ / grober Verstoß gegen Richtlinie, WhatsApp-Kommunikation mit Vorgesetzten / Mobbingempfinden, zeitliche Koinzidenz von Eigenkündigung und Arbeitsunfähigkeit
Landesarbeitsgericht Niedersachsen, Urteil vom 19.11.2025, Aktenzeichen 8 SLa 372/25 Leitsätze: 1.Der Beweiswert einer ärztlichen Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung ist als erschüttert anzusehen, wenn ein Arbeitnehmer am selben Tag erkrankt und sich zum Ausspruch einer Eigenkündigung entschließt. In welcher Reihenfolge die beiden Ereignisse nach....
Anspruch auf gleiche Lohnerhöhung trotz Altvertrag – Stärkung des arbeitsrechtlichen Gleichbehandlungsgrundsatzes zugunsten von Arbeitnehmern
9 März 26
Schlagwörter: Altvertrag / Neuvertrag, Angemessenheit, Anreiz zur Vertragsänderung / Vertragsvereinheitlichung, arbeitsrechtlicher Gleichbehandlungsgrundsatz, Entgeltfortzahlung im Krankheitsfall, Erforderlichkeit, freiwillige Leistung des Arbeitgebers, legitimer Zweck, Lohnerhöhung, sachliche Rechtfertigung der Ungleichbehandlung, unzulässige Benachteiligung einzelner Arbeitnehmer, vergleichbare Arbeitnehmer / vergleichbare Lage
Bundesarbeitsgericht (5. Senat), Urteil vom 26.11.2025, Aktenzeichen 5 AZR 239/24 Leitsatz: Die unterschiedliche Behandlung vergleichbarer Arbeitnehmer ist unter Beachtung des arbeitsrechtlichen Gleichbehandlungsgrundsatzes gerechtfertigt, wenn sie einem legitimen Zweck dient und zur Erreichung dieses Zwecks erforderlich und angemessen ist. Maßgeblich ist....
Sozialplanabfindung bei vorzeitiger Beendigung: Stichtag ist das tatsächliche rechtliche Ende des Arbeitsverhältnisses
2 März 26
Schlagwörter: Abfindung, Abwicklungsvertrag, Altersfaktor, Aufhebungsvertrag, Auslegung wie Tarifvertrag, Betriebsänderung, betriebsbedingte Kündigung, Betriebsvereinbarung Zusatzleistung bei Klageverzicht, Differenzabfindung, Eigenkündigung, Eigenkündigung mit Vorwegnahme der Kündigung, Interessenausgleich, objektive Auslegung von Sozialplänen, rechtliche Beendigung des Arbeitsverhältnisses, Sinn und Zweck, sozialer Besitzstand, Sozialplan, Sprinterklausel / vorzeitige Beendigung, Stichtagsregelung, Systematik, wirtschaftliche Nachteile, Wortlaut
Landesarbeitsgericht Mecklenburg-Vorpommern, Urteil vom 26.08.2025, Aktenzeichen 2 SLa 44/25 Ausführliche Zusammenfassung aus Arbeitnehmersicht Die Klägerin war rund 40 Jahre bei der Beklagten in der Produktion beschäftigt und vom Personalabbau aufgrund einer Betriebsänderung nach einem Interessenausgleich und Sozialplan „3‑Linien‑Werk L‑Stadt“ betroffen.....
Sozialplan bei Betriebsschließung: geringere Abfindung für rentennahe Jahrgänge ist zulässige Altersdifferenzierung
26 Feb. 26
Schlagwörter: Abfindung, arbeitsrechtlicher Gleichbehandlungsgrundsatz, Berechnung nach Monaten bis zur ungekürzten Altersrente, betriebliche Altersversorgung / Kapitalabfindung, Betriebsschließung, Gestaltungs- und Beurteilungsspielraum der Betriebsparteien, rentennahe Jahrgänge, Sozialplan, unmittelbare Benachteiligung wegen des Alters, Verhältnismäßigkeitsprüfung
Hessisches Landesarbeitsgericht, Urteil vom 17.12.2025, Aktenzeichen 18 SLa 674/25 Das Gericht bestätigt aus Arbeitnehmersicht eine für rentennahe Beschäftigte eher restriktive Sozialplanregelung und weist die Berufung des klagenden Arbeitnehmers vollständig ab. Ausgangslage des Arbeitnehmers Kläger: Jahrgang 1961, bei Betriebsschließung am 31.12.2024....
Fristlose Kündigung wegen tätlichen Angriffs auf Vorgesetzten: LAG Hamm bestätigt außerordentliche Beendigung eines 21‑jährigen Arbeitsverhältnisses ohne Abmahnung
25 Feb. 26
Landesarbeitsgericht Hamm, Urteil vom 12.09.2025, Aktenzeichen 8 SLa 1003/24 Leitsatz: Eine gegenüber einem Vorgesetzen am Arbeitsplatz verübte Tätlichkeit ist grundsätzlich geeignet, einen wichtigen Grund für die außerordentliche Kündigung des Arbeitsverhältnisses zu begründen. Diese stellt eine schwerwiegende Verletzung der arbeitsvertraglichen Nebenpflichten....
In einer innerbetrieblichen Stellenausschreibung muss das Arbeitszeitvolumen angegeben werden
25 Feb. 26
Bundesarbeitsgericht (1. Senat), Beschluss vom 23.09.2025, Aktenzeichen 1 ABR 19/24 Leitsatz Eine innerbetriebliche Stellenausschreibung iSv. § 93 BetrVG muss mindestens – neben den von den Bewerbern erwarteten Qualifikationen – eine jedenfalls schlagwortartige Bezeichnung der mit der Stelle verbundenen Arbeitsaufgaben enthalten.....
Wann Arbeitnehmer sich einen hypothetischen Zwischenverdienst anrechnen lassen müssen
16 Feb. 26
Bundesarbeitsgericht, Urteil vom 15.01.2025, Aktenzeichen 1 AZR 135/24 Das Urteil des Bundesarbeitsgerichts (BAG) vom 15.01.2025 (Az. 5 AZR 135/24) ist eine wegweisende Entscheidung zum Thema Annahmeverzugslohn und der Frage, wann sich Arbeitnehmer einen hypothetischen „Zwischenverdienst“ anrechnen lassen müssen. Aus Arbeitnehmersicht ist dieses Urteil besonders....
Häufige Kurzzeiterkrankungen können personenbedingte Kündigung rechtfertigen
16 Feb. 26
Schlagwörter: bEM, betriebliches Eingliederungsmanagement, Kündigung, Kurzerkrankungen, Lohnfortzahlung, negative Prognose
Landesarbeitsgericht Mecklenburg-Vorpommern, Urteil vom 07.05.2024, Aktenzeichen 5 Sa 56/23 Das Landesarbeitsgericht (LAG) Mecklenburg‑Vorpommern hat die Kündigungsschutzklage eines Maschinenbauers abgewiesen und die erstinstanzliche Entscheidung des Arbeitsgerichts Schwerin bestätigt. Die ordentliche personenbedingte Kündigung wegen häufiger Kurzerkrankungen ist danach wirksam, ein Verstoß gegen....
Voraussetzungen der schriftlichen Stimmabgabe: Keine Darlegungspflicht der Verhinderung durch den Wahlberechtigten
12 Feb. 26
Schlagwörter: Betriebsratswahl, Verlangen von Briefwahlunterlagen
Bundesarbeitsgericht (7. Senat), Beschluss vom 22.01.2025, Aktenzeichen 7 ABR 1/24 Leitsatz: Die Pflicht des Wahlvorstands, einem Wahlberechtigten, der im Zeitpunkt der Betriebsratswahl wegen Abwesenheit vom Betrieb an der persönlichen Stimmabgabe verhindert ist, auf sein Verlangen die Unterlagen für eine schriftliche....
Einwurf-Einschreiben begründet keinen Anscheinsbeweis für den Zugang
12 Feb. 26
Bundesarbeitsgericht, Urteil vom 30.01.2025, Aktenzeichen 2 AZR 68/24 Dieses Urteil ist ein großer Sieg für die Rechtssicherheit von Arbeitnehmern. Es stärkt Ihre Position erheblich, wenn ein Arbeitgeber behauptet, eine Kündigung sei „automatisch“ zugegangen, ohne dafür handfeste Beweise zu liefern. 1. Die....
Schichtzulagen für freigestellte Betriebsratsmitglieder: Anspruch bei Ausübung der Betriebsratsarbeit außerhalb des regulären Schichtsystems
15 Dez. 25
Bundesarbeitsgericht (7. Senat), Urteil vom 28.08.2024, Aktenzeichen 7 AZR 197/23 Einführung und Überblick: In der Entscheidung des Bundesarbeitsgerichts ging es um die zentrale arbeitsrechtliche Frage, ob ein vollständig von seiner beruflichen Tätigkeit freigestelltes Betriebsratsmitglied weiterhin Anspruch auf bestimmte tarifliche Zuschläge....
Kein Anscheinsbeweis mehr: Einwurf-Einschreiben gilt als zu fehleranfällig in der digitalen Praxis und ist damit derzeit kein rechtssicherer Zustellnachweis
8 Dez. 25
Schlagwörter: Anscheinsbeweis, BEM-Gespräch, Beweis des ersten Anscheins, Kündigung, Willenserklärung, Zustellnachweis
Landesarbeitsgericht Hamburg, Urteil vom 14.07.2025, Aktenzeichen 4 SLa 26/24 Leitsatz: Der Beweis des ersten Anscheins greift bei typischen Geschehensabläufen ein, also in Fällen, in denen ein bestimmter Sachverhalt feststeht, der nach der allgemeinen Lebenserfahrung auf eine bestimmte Ursache oder auf....
Anspruch des Betriebsrats auf Einsicht in nicht-anonymisierte Gehaltslisten trotz Widerspruch einzelner Mitarbeiter
1 Dez. 25
Landesarbeitsgericht Sachsen, Beschluss vom 26.05.2025, Aktenzeichen 2 TaBV 8/24 Sachverhalt und Hintergrund: Im Verfahren stritten Betriebsrat und Arbeitgeberin über die Verpflichtung, dem Betriebsrat Einsicht in nicht-anonymisierte Bruttolohn- und Gehaltslisten für bestimmte Arbeitnehmer zu gewähren. Die Listen betrafen die Monate Mai....
Arbeitgeber muss bei beteiligungspflichtiger Maßnahme nicht auf handlungsfähigen Betriebsrat warten
24 Nov. 25
Landesarbeitsgericht Baden-Württemberg (2. Kammer), Beschluss vom 30.09.2025, Aktenzeichen 2 TaBV 2/25 Einleitung und Hintergrund: Das Landesarbeitsgericht Baden-Württemberg verhandelte über die Einsetzung einer Einigungsstelle zur Aufstellung eines Sozialplans nach einer umfassenden Betriebsänderung (Verlagerung und Kündigungen) im Betrieb eines Parkraumbewirtschaftungsunternehmens. Der Arbeitgeber....
Wahlberechtigung von Führungskräften in Matrix-Organisationen ohne eindeutige Betriebszuordnung
17 Nov. 25
Bundesarbeitsgericht, Beschluss vom 22.05.2025, Aktenzeichen 7 ABR 28/24 Einleitung und Sachverhalt Das Urteil des Bundesarbeitsgerichts (BAG, Beschluss vom 22.05.2025 – 7 ABR 28/24) befasst sich mit der Frage, ob Führungskräfte, die gleichzeitig in mehreren Betrieben eines Unternehmens tätig sind (Matrix-Struktur), in....
Treuwidrigkeit einer Probezeitkündigung bei vorheriger Übernahmezusage
10 Nov. 25
Landesarbeitsgericht Düsseldorf, Urteil vom 14.01.2025, Aktenzeichen 3 SLa 317/24 Leitsätze: 1.Erklärt der Vorgesetzte eines in den ersten sechs Monaten des Arbeitsverhältnisses zugleich noch in der Probezeit wie auch in der Wartezeit des § 1 Abs. 1 KSchG befindlichen Arbeitnehmers diesem....
Regelung zur Nutzung des Dienstfahrzeuges nach dem Ende der Lohnfortzahlung bei anhaltender Krankheit
3 Nov. 25
Hessisches Landesarbeitsgericht, Urteil vom 16.05.2025, Aktenzeichen 10 SLa 1164/24 Leitsätze: 1. Die Überlassung eines Firmenwagens auch zur privaten Nutzung stellt einen geldwerten Vorteil sowie Sachbezug dar und ist damit Teil der Arbeitsvergütung. Die Gebrauchsüberlassung ist regelmäßig zusätzliche Gegenleistung für die geschuldete....
